Die Zerstörung der Vergangenheit oder besser die Zerstörung der sozialen Mechanismen, die ein Verbindung zwischen den Erfahrungen der jetzigen mit den vorangegangenen Generationen schaffen, ist eines der typischsten und zu gleich eigenartigsten Phänomene der letzten Jahre des 20. Jahrhunderts. Am Ende unseres vergangenen Jahrhunderts sind die meisten Kinder in einer Art permanenten Gegenwart aufgewachsen, in der jede organische Beziehung zur historischen Vergangenheit fehlt. Das bedeutet, dass die Historiker, deren Aufgabe es ist, sich dessen zu erinnern, was die anderen vergessen, am Ende des 2. Jahrtausends von essentiellerer Bedeutung sind, als je zuvor. Aber gerade deswegen müssen sie mehr sein, als einfach Chronisten und Ausfüller, auch, wenn Ersteres ihre eigentliche Funktion bleibt.

Eric Hobsbawm

Wie Eric Hobsbawm sagt, leben wir in einer „permanenten Gegenwart“, die uns unausweichlich von „Schon gelebten“ entfernt und die Möglichkeit vermindert, von den, auch in der Geschichte, begangenen Fehlern zu lernen. Nur ein „benediktinischer“ Ansatz, das heisst ein hartnäckiger Wille, das Erbe der Erinnerung zu konservieren, kann dazu beitragen die Bedeutung der menschlichen Schönheit zu erhalten und zu unterstützen.

Die Definition des heutigen, jungen Europäers ist viel diskutiert. Dieser Kontinent, der beabsichtigt, sich als ein Organismus zu gestalten, sei es finanziell oder politisch, sieht sich einem schmerzhaften Bröckeln seines Fundaments gegenüber: ein gewisser Vertrauensverlust in politische Institutionen seitens der jungen Leute führt zum Bedürfnis einer gegenteiliger Entwicklung, nämlich jener, die vielmehr die Dazugehörigkeit der gleichen Sprache und den Zusammenschluss von Gleichgesinnten, welche keine Arbeit haben oder die Versprechen zur Aussicht auf eine Karriere schwinden sehen, wertschätzt. Auf Grund der inneren Krise und eines gewissen Verlustes der Erinnerungsfähigkeit, beobachtet man bei den neuen Generationen, beim ihrem Suchen nach Gründen für ihre eigene prekäre Situation Tendenzen eines gefährlichen Fremdenhasses. Beim Betrachten der Ereignisse, die zunehmend als etwas Grösseres und Unverständliches wahrgenommen werden, herrscht ein starkes Empfinden von Unfähigkeit vor.

Die Fragen, Wer sind wir?, Was konsumieren wir?, Wie bewerten wir?, Wie und woran glauben wir? spalten sich von unserem Verhältnis zu anderen und zur Vergangenheit ab. Nicht zu wissen, wie man auf diese Fragen antworten soll, heisst zur permanenten Gegenwart zu gehören und folglich an jemanden oder etwas verkauft zu sein, der oder das die Geschehnisse lenkt und definiert. Die Auswirkungen sind eine schreckliche Verschlossenheit und Unwissenheit gegenüber der Geschichte. Diese Tendenzen nehmen um uns herum dramatisch an Häufigkeit zu.
Das Projekt Ich bin jetzt hier möchte Publikum und Teilnehmende dazu aufrufen, sich zu fragen, ob es möglich ist mit der Gefahr der Unwissenheit aufzuräumen und sich in der Geschichte anderer widerzuspiegeln.